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Komödie oder Tragödie?

Gerade habe ich die Novelle „Lea“ von Pascal Mercier zu Ende gelesen. Die Geschichte handelt von einem Mann, Martijn van Vliet, dessen Tochter Lea eine Geigenvirtuosin wird und darüber dem Wahnsinn verfällt. Van Vliet erzählt seine Geschichte dem Protagonisten, nachdem er sich für eine Meistergeige beruflich und finanziell ruinierte und seine Tochter Selbstmord begangen hat.
Nachdem ich das Buch zur Seite gelegt hatte, musste ich noch lange darüber nachdenken. Ich fragte mich, welche Bücher mich mehr berühren, Tragödien oder Komödien, um bei den klassischen Begriffen zu bleiben.
Diese Frage muss natürlich jede für sich selbst beantworten, aber bei mir sind es die Tragödien, die Geschichten ohne Happy End. Woran liegt das?

 

Ein Happy End ist trügerisch

Wir alle sehnen uns nach einem Happy End in Geschichten. Die Protagonistin und ihr Liebhaber haben sich gefunden, am Ende steht die Heirat oder die Liebesbeziehung. An dem Punkt fallen mir die berühmten Fortsetzungen ein, die uns allen vor Augen führen, was wir auch aus unserem Leben kennen: Es gibt kein Happy End. Nehmen wir als Beispiel Bridget Jones, wobei ich mich hier auf die Filme beziehe, da ich nur das erste Buch gelesen habe. Bridget findet am Ende von Teil eins in Mark Darcy ihre Liebe. Im zweiten Teil ist sie mit ihm zusammen, zweifelt aber aus den unsinnigsten Gründen an seiner Liebe. Es gibt Konflikte, eine Trennung und ein weiteres Happy End. Im dritten Teil erfahren wir dann, dass sie nicht mehr zusammen sind. Und damit ist das Happy End von Teil eins hinfällig, weil es eben kein Happy End ist, sondern der Beginn einer Beziehung, wie wir sie alle kennen. Der ewige Dreisatz: Verliebtheit-Beziehung-Trennung.
Bei einer Tragödie passiert etwas Dramatisches. Hier greift das Schicksal ein, z.B. durch eine nicht überbrachte Nachricht (Romeo und Julia) oder einen Eisberg (Titanic). Die Menschen sind konfrontiert mit Geschehnissen, die größer sind als sie selbst. Tragödien führen uns vor Augen, dass unser Leben nur zum Teil in unseren Händen liegt. Das macht diese Geschichten in meinen Augen bedeutend größer. Ich leide mit den Protagonistinnen und trauere auch ein Stück weit mit ihnen. Geschichten mit Happy End unterhalten mich. Ich lese sie, amüsiere mich und genieße eine schöne Zeit mit ihnen. Aber nachdem ich die letzte Seite gelesen habe, greife ich schnell zum Nächsten.
Wie geht es euch? Von welchen Geschichten werdet ihr stärker mitgerissen? Teilt mir eure Meinung gerne in den Kommentaren mit.

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