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Was haltet ihr von Anglismen?

Immer mehr deutsche Wörter werden durch englische ersetzt. Diesen Trend gibt es seit Jahren und wir haben uns schon daran gewöhnt. Ich möchte nicht in das Lamenti über Handys und Public Viewing (was im englischen übrigens eine öffentliche Leichenschau meint) einfallen, sondern auf einen speziellen Aspekt aufmerksam machen.

 

Unsere Kommunikation würde nicht funktionieren ohne Wortbedeutungen und unausgesprochene Assoziationen, die wir mit einem Wort verbinden. Wenn ich beispielsweise von einer Katze spreche, muss ich niemandem erklären, was ich mit diesem Begriff meine.

 

Leider geht mit der Ersetzung deutscher Worte durch englische sehr häufig der tiefere Sinn und die ursprünglichen Assoziationen verloren.

 

Würden wir Katze durch Cat ersetzen, wäre das kein weiteres Problem. Nehmen wir aber das Wort Job, sieht die Sache schon anders aus. Das Wort steht für jede Art von Lohnarbeit, egal, ob es sich um eine Aushilfstätigkeit oder einen erlernten Beruf handelt.

 

Beruf kommt von Berufung

Im Wort Beruf stecken die Wörter Ruf oder Berufung. Einen Beruf erlerne ich von der Pike auf. Darin steckt Können, Leidenschaft, Langfristigkeit und Lebensenergie. Den Beruf übe ich im Idealfall ein Leben lang aus und identifiziere mich damit.

 

Einen Job im Sinne von Aushilfsjob dagegen mache ich eine Weile, z.B. in den Semesterferien. Er dient nur dazu, Geld zu verdienen, aber nicht zur Identitätsfindung, wie ich das mit dem Beruf verbinde. Denken die Menschen darüber nicht mehr nach? Oder ist das so gewünscht? Menschen, die nur noch Jobs machen aber keine Berufe mehr ausüben, sind flexibler. Sie können heute Verkäuferin sein und morgen Straßenkehrer, sind damit also besser verwertbar für das System.

 

Ein Deal ist etwas Zwielichtiges

Am meisten ärgere ich mich zur Zeit über den Brexitdeal. Ein Dealer war mal ein Drogenhändler und der Deal etwas zwielichtiges oder kurzfristiges.

 

Du putzt mein Auto und ich gehe für dich einkaufen. Das ist in meinen Augen ein Deal. Aber bei den Verhandlungen zum Brexit handelt es sich um ein Vertragswerk von historischer Bedeutung und mit weitreichenden Folgen. Das Wort Deal greift da zu kurz und würdigt das Geschehen in keiner Weise.

 

Gerade von der schreibenden Zunft würde ich mir wünschen, sie ginge etwas bewusster mit der Sprache um. Denn wenn wir das nicht mehr können, wer dann?

 

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