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Die Romane von Patricia Highsmith

Die amerikanische Schriftstellerin Patricia Highsmith (1921-1995) habe ich bisher immer unter dem Label Krimiautorin verbucht.
Vor einigen Jahren sah ich den Film der talentierte Mr. Ripley mit Matt Damon und Jude Law in den Hauptrollen. Tom Ripley bekommt von einem Firmenbesitzer den Auftrag, dessen Sohn Dickie aus Europa zurück in die USA zu holen, wo er sich um die Firma kümmern soll. Tom befreundet sich mit Dickie. Er plant dessen Ermordung, um dann an seiner Stelle das Leben eines reichen Sohnes zu führen. In diesen Plan steigert er sich mehr und mehr rein und führt ihn schließlich auch aus. Er wird nicht als Täter enttarnt, da die Polizei von einem Unfall ausgeht.
Vor Kurzem fielen mir zwei ihrer Bücher in die Hände:

•    Der süße Wahn
•    Der Geschichtenerzähler

Beide Bücher haben im Grunde das gleich Thema, nämlich einen Menschen, der sich in eine Idee reinsteigert und im Verlaufe des Romans einen Mord begeht. 

Der süße Wahn beschreibt das Leben des Langweilers David Kelsey. Er hat einen gut bezahlten Posten in einem Labor und träumt von einer Frau namens Annabelle. Sie ist in der Vergangenheit ein paar mal mit ihm ausgegangen, hat dann aber einen anderen geheiratet. David redet sich jedoch ein, in Wirklichkeit liebe sie ihn und wenn sie erst frei sei, werde sie ihn erhören. Es kommt zu einem Streit zwischen David und Annabelles Mann. David gibt ihm einen Stoß und er fällt so unglücklich, dass er stirbt. Unter einem falschen Namen meldet er den Unfall der Polizei. Bald verdichten sich die Hinweise, dass David am Tod von Annabelles Mann beteiligt war, was er aber abstreitet. Stattdessen träumt er weiterhin von einem Leben mit Annabelle. Als sie sich dem Sohn ihrer Nachbarin zuwendet, beginnt Davids Wahn von Neuem.
Im zweiten Roman der Geschichtenerzähler geht es um das junge Ehepaar Sydney und Alicia. Sydney ist Schriftsteller, Alicia Malerin. Für Sydney läuft es beruflich nicht gut und er lässt seine schlechte Laune immer häufiger an seiner Frau aus. Außerdem stellt er sich immer wieder vor, wie er sie am besten ermorden könnte. Als sich die Krise zwischen beiden weiter zuspitzt, beschließt Alicia, ein paar Wochen zu verreisen. Ihren Aufenthaltsort teilt sie aber niemandem mit.
Nachdem ihre Eltern über Wochen nichts von ihrer Tochter hören, schalten sie die Polizei ein. Der Kommissar findet heraus, dass Sydney sich seltsam verhalten hat. So hat er einen neuen Teppich gekauft und den alten des Nachts aus dem Haus ins Auto geschleppt. Auch einige Anmerkungen, die er Bekannten gegenüber gemacht hat, lassen die Polizei misstrauisch werden. Aber solange man keine Leiche von Alicia findet, lässt sich Sydney auch kein Mord nachweisen.

Sind die Bücher Krimis?
Bei einem Krimi steht der Mord am Anfang, oder wie es in einem Miss Marple Roman heißt, am Ende. Er steht am Anfang eines Romans, aber am Ende einer Reihe von Entwicklungen, die in dem Mord mündeten.
Im Mittelpunkt des Geschehens steht meistens eine Person, die ermittelt, während die Identität des Täters/der Täterin meist bis zum Ende im Dunkeln bleibt.
Bei Patricia Highsmiths Romanen (zumindest bei denen, die ich kenne), sieht es anders aus. Ein Mord findet zwar statt, aber erst in der Mitte oder am Ende des Romans. Wie es geschieht, wird sehr genau geschildert, so dass weder über TäterIn, noch Tathergang ein Zweifel besteht. Was wir in diesen Romanen geschildert bekommen, ist das Seelenleben des Protagonisten. Der ist dabei nicht unbedingt ein Opfer seiner Umstände, sondern kann sehr genau einordnen, dass er sich falsch verhält. Wir erleben also kein Opfer, sondern einen Menschen, der eine böse Tat vollbringt, somit also im klassischen Sinne »Der Böse« ist. Eine hervorstechende Eigenschaft dieser Täter ist ihre Normalität. Damit zeigt Particia Highsmith auf geschickte Weise, dass wir das Böse nicht erkennen können und dass auch wir nicht unbedingt davor gefeit sind.

Meiner Meinung nach sind die Romane von Patricia Highsmith keine Krimis, sondern Romane, die sich mit dem Bösen in uns beschäftigen. Was meinen Sie? Kennen Sie noch weitere Romane von ihr, die anders aufgebaut sind? Schreiben Sie es gerne in die Kommentare.

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