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Dashiell Hammett: Der Malteser Falke

Zum Inhalt:

Der Detektiv Samuel Spade erhält von einer jungen Frau namens Miss Wonderly den Auftrag, einen Mann namens Thursby zu beschatten. Sein Partner Miles Archer übernimmt die Aufgabe. Am nächsten Morgen sind er und Thursby tot, erschossen. Während die Polizei noch im dunkeln tappt, wird Spade schnell klar, dass seine Mandantin ihm einiges verheimlicht und es mit Thursby mehr auf sich hat, als sie zugeben will. Der Verdacht erhärtet sich, als ein Mann namens Joel Cairo bei ihm auftaucht und ihm 5000 $ für das Beschaffen einer Falkenstatuette bietet. Cairo ist davon überzeugt, dass Spade weiß, wo die Figur ist. Der hat zwar nicht die geringste Ahnung, um was es geht, nimmt den Auftrag aber an. Er vermutet, dass Miss Wonderly, die in Wirklichkeit Brigid O’Shaughnessy heißt, mehr über den Falken weiß.
In der Folge entspannt sich ein Katz-und Mausspiel zwischen Spade, Cairo, O’Shaughnessy und einem Mann namens Gutman, der Spade erzählt, was es mit diesem Malteser Falken auf sich hat. Gutman und Cairo stehen auf einer Seite. Sie vermuten, Spade stecke mit Brigid O’Shaughnessy unter einer Decke und die beiden hätten den Falken. Spade versucht immer wieder, mehr von ihr zu erfahren, aber sie spielt das Unschuldslamm. Später taucht ein Mann namens Jacobi bei Spade auf. Er hat mehrere Schusswunden und übergibt ihm noch ein Paket, bevor er tot zusammenbricht. In diesem Paket ist eine schwarze Falkenfigur.
In einem langen Showdown in Gutmans Hotelzimmer erzählt Spade den anderen, was sich genau zugetragen hat und welche Geschichte man am besten der Polizei auftischen solle, damit sie alle ungestraft aus der Sache rauskämen.

Meine Meinung:

Der Malteser Falke gilt als einer der Klassiker der modernen Krimiliteratur. Hammett hat mit Spade den typischen Detektivtyp der 30er und 40er Jahre geschaffen: Ein zynischer Einzelgänger, der nach eigenen Regeln kämpft und dem es weniger um den Kampf gut gegen böse, als um seinen eigenen Vorteil geht.
Uns Leserinnen erschließt sich nicht, ob Spade dabei der Gute ist oder nicht. Es geht ihm nicht darum, die Mörder seines Partners zu finden oder die Falkenstatuette, die von großer historischer Bedeutung sein soll, der Öffentlichkeit zurückzugeben. Solche edlen Motive interessieren ihn nicht, sondern lediglich der Lohn, den man ihm verspricht.
Mir fiel beim Lesen noch etwas anderes auf. Die Puzzlestücke kommen zu Spade, nicht umgekehrt. Brigid O’Shaughnessy kommt zu ihm, Cairo kommt zu ihm, Gutman bestellt ihn zu sich und am Ende bringt Jacobi die Statuette zu ihm. Spade stellt auch einige wenige Ermittlungen an, z.B. lässt er durch seine Sekretärin überprüfen, ob die Geschichte der Falkenstatuette stimmen könnte, trotzdem scheint sein Interesse nur mäßig vorhanden zu sein. Auch der Showdown am Ende findet in Spades Wohnung statt, weil Gutman und Cairo zu ihm kommen, ohne dass er sie zu sich gebeten hat. In modernen Krimis wirken die ErmittlerInnen dagegen aktiver, was wohl daran liegt, dass ihre Motive meist edler sind.

Die klare Sprache Hammetts wird auf der Rückseite meiner Ausgabe (ein Diogenes Taschenbuch von 1974) des Malteser Falken hervorgehoben. Die Sprache ist einerseits sehr aufs Wesentliche bezogen, z.B. gibt der Autor nie eine Beschreibung einer Landschaft oder eines Raumes. Andererseits ist sie sehr detailliert: »Die Brieftasche enthielt dreihundertfünfundsechzig Dollar in amerikanischen Banknoten verschiedenen Wertes; drei Fünfpfundnoten; einen griechischen Paß mit Cairos Bild und Namen und vielen Visumstempeln; fünf zusammengefaltete Bogen rosa Luftpostpapier, das mit anscheinend arabischen Schriftzeichen bedeckt war ...« (Dashiell Hammett, Der Malteser Falke, S. 54, Kapitel Der Levantiner)
Manchmal war sie mir etwas zu detailliert, z.B. wenn Hammett Prügeleien beschreibt. Es fiel mir dabei nicht leicht, nachzuvollziehen, welche Faust wann wo ist und wohin sie trifft. Aber das hat den Lesefluss nicht gestört.
Muss man den Roman kennen? Die Frage stellt sich natürlich immer. Als Krimiautorin finde ich es wichtig, auch einige der Genreklassiker zu kennen. Das ist der Grund, warum ich das Buch aus einem Bücherschrank mitgenommen habe. Es war interessant zu lesen, auch im Hinblick auf Hammetts Schreibstil. Ich kann aber nicht sagen, dass es mich sonderlich gefesselt hat. Ich musste mich nicht durchkämpfen, aber es fiel mir auch nicht schwer, das Buch aus der Hand zu legen.

Kennt ihr das Buch? Oder den Film mit Humphrey Bogart? Wie ist eure Meinung dazu? Über einen Kommentar dazu würde ich mich freuen.

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