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Forsyte Saga

Die Forsythe Saga ist einer der großen Romane der englischen Literatur. Das Mammutwerk von mehr als tausend Seiten wurde zwischen 1906 und 1921 von John Galsworthy geschrieben, der dafür den Literaturnobelpreis erhielt.
Die Geschichte spielt in London zwischen 1880 und 1920. Sie erzählt das Leben der Forsytes, eine Familie des gehobenen Mittelstandes mit unzähligen Mitgliedern. Im Mittelpunkt stehen Soames Forsyte, sein Cousin Jolyon Forsyte und Irene, die erst mit Soames, später mit Jolyon verheiratet ist. 
Die Geschichte spielt im viktorianischen England, also in einer Zeit, in der Schein genauso wichtig war wie sein. Von Edward VII, Nachfolger von Queen Victoria, ist der Satz überliefert man dürfe alles machen, man dürfe nur nicht dabei erwischt werden. Und genau das war es, was das Leben prägte. Der Schein nach außen war unheimlich wichtig. Männer mussten hart und fleißig sein, Frauen brav und hübsch. Ehen wurden nicht aus Liebe geschlossen, sondern aus gesellschaftlichen Erwägungen.

Auch bei den Forsytes gelten diese Werte. Soames ist Rechtsanwalt und obwohl er ein reicher Mann ist, achtet er auf seine Ausgaben. Allerdings bewertet er die Künstler nicht nach ihrem Können, sondern danach, ob ihre Werke am Markt steigen werden.
Darin unterscheidet er sich grundlegend von seiner Frau Irene. Sie hat wahres Kunstverständnis und fühlt sich an der Seite ihres Ehemannes zunehmend erstickt.
Die Ehe der beiden war in Irenes Augen von Anfang an ein Fehler. Soames warb um sie, ob aus Liebe oder wegen ihrer Schönheit, sei einmal dahin gestellt. Irene wollte ihn nicht heiraten, wurde aber aus materieller Not in die Ehe getrieben. Ihr Vater starb früh und hinterließ kaum Geld. Da es für Frauen damals kaum eine ehrenwerte Möglichkeit gab, Geld zu verdienen, blieb in der Regel nur die Ehe.
Soames wirbt um seine Frau, merkt aber, wie sehr sie ihn verabscheut. Das verbittert ihn immer mehr und beide sind in einem Teufelskreis gefangen, aus dem Irene schließlich ausbricht und Soames verlässt, der verbittert zurückbleibt.
Jolyon Forsyte ist das Gegenteil seines Cousins Soames. Er ist warmherzig, fröhlich und lässt seine Gefühle zu. Das führt dazu, dass er Frau und Tochter verlässt und mit der (wie soll es anders sein?) Nanny durchbrennt. Dafür wird er von der Familie verstoßen und erst nach vielen Jahren kommt es zu einer Versöhnung.
Nachdem Jolyons zweite Frau stirbt, heiratet er viele Jahre später Irene und die beiden bekommen einen Sohn, Jon. Er verliebt sich als junger Mann in Soames Tochter Fleur. Beide ahnen nichts von den Konflikten ihrer Eltern, aber diese nie aufgearbeiteten Verletzungen zerstören die junge Liebe schließlich.

Die Moral der Geschichte

Was mich an dem Roman so beeindruckt, ist der Aufbau der Geschichte. Es gibt nicht den klassischen Bösewicht, der mit seinen Intrigen die anderen entzweit. Alle sind wie sie sind, und fügen dadurch den Menschen in ihrem Umfeld Schaden zu.
Beispiel: Jolyon verlässt seine Frau. Es ist zwar lobenswert, dass er die Nanny nicht (wie damals oft üblich), verführt, um sie anschließend fallen zu lassen. Er bekennt sich zu seiner Liebe und nimmt den Ausschluss aus der Familie und die damit verbundenen finanziellen Einbußen in Kauf. Andererseits hinterlässt er eine Frau und ein Kind, für die er nicht mehr aufkommen kann. Um den Schein zu wahren, lässt er sich nicht scheiden, d.h. er und seine Partnerin leben unverheiratet zusammen. Dadurch hat sie keinerlei Ansprüche. Und für seine Frau ist es eine Schande, eine verlassene Ehefrau zu sein. Der Vater von Jolyon (er heißt ebenfalls Jolyon) nimmt seine Schwiegertochter und Enkelin bei sich auf und ermöglicht ihnen so ein standesgemäßes Leben.
Die Lektion dieses Buches ist für mich die, dass es eben nicht gut und böse gibt. Wir alle haben gute und böse Anteile in uns. Und weil wir Menschen sind, können wir nicht verhindern, dass durch unsere Entscheidungen andere gekränkt werden. Das muss nicht in mutwilliger Absicht passieren, sondern weil wir soziale Wesen sind und deshalb immer Entscheidungen treffen, die auch Einfluss auf andere haben.

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