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Intimizid

Von einem Intimizid spricht man, wenn Opfer und TäterIn ein intimes Verhältnis zueinander hatten. Er ist nicht zu verwechseln mit der Beziehungstat, bei der Opfer und  TäterIn nur irgendeine Beziehung zueinander hatten, also eine Freundschaft, Bekanntschaft oder Verwandtschaft.
In Krimis ist der Mord an der oder dem Geliebten ein Klassiker, in der Realität kommt er eher selten vor, wobei genaue Angaben fehlen. Ich habe mir die Statistiken beim Statistischen Bundesamt angesehen und da lediglich Altersgruppen und Geschlecht als Klassifizierungen gefunden, was natürlich nichts aussagt. Nicht jeder Mord eines Mannes an einer Frau ist ein Intimizid.

Der Psychiater Andreas Marneros hat sich näher mit dem Thema befasst. Er kam zu folgenden Ergebnissen:

50% der weiblichen Mordopfer werden von Verwandten ermordet, aber nur 17% der Männer.
25% der männlichen Opfer wurden von einem Menschen ermordet, den sie nicht kannten. Bei Frauen traf das in nur 10% der Fälle zu.

Das bedeutet also, das für den Mann die Welt außerhalb der eigenen vier Wände gefährlich werden kann, während für die Frau die Welt innerhalb des häuslichen Umfeldes gefährlich wird, also die Welt, die uns durch die klassische Rollenverteilung zugewiesen wird und die uns angeblich Schutz und Sicherheit geben soll. Wir sollten unseren Töchtern also nicht beibringen, dass sie sich nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr draußen aufhalten sollen, sondern dass sie bei der Wahl ihres Partners sehr, sehr vorsichtig sollten.

Warum wird gemordet?

Laut Andreas Marneros steht beim Intimizid nicht der Mord aus Leidenschaft oder Eifersucht im Vordergrund, nicht das Ausarten einer Affäre. ⅔ der Taten erfolgten nach einer langjährigen Beziehung, nur etwa 7,5% nach einem One-Night-Stand oder einer kurzen Beziehung.
Grob gesagt ermorden Frauen ihre Männer, um sie loszuwerden. Etwa weil sie seine Gewalttätigkeiten nicht mehr ertragen können oder den Mann schon lange pflegen müssen und damit überfordert sind.
Männer ermorden ihre Frauen, um sie zu halten. Klingt auf den ersten Blick paradox, ist es auf den zweiten aber nicht. Beispiel: Eine Frau will ihren Mann verlassen, weil sie einen anderen hat. Der Mann kann nicht ertragen, dass seine Frau dann einem anderen »gehört« und greift zur Waffe.
Morde unter Drogeneinfluss oder aus einer sexuellen Perversion liegen statistisch gesehen bei unter 10% und spielen bei langjährigen Partnerschaften keine Rolle.

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